Erstklassige digitale Infrastrukturen für die Schweiz

Künstliche Intelligenz, Cloud-Dienste und Cybersecurity gehören zu den dominierenden Themen unserer Branche. Vergessen geht dabei aber oftmals, dass diese Anwendungen und Themen eine solide Basis brauchen. Ohne leistungsfähige und robuste digitale Infrastrukturen wie Glasfaser- und Mobilfunknetze sowie Datacenter sind weder AI noch Cloud-Services möglich. Eigentlich eine Binsenwahrheit, die vielen asut-Mitgliedern bewusst ist. Sie sind es ja, welche diese Infrastrukturen planen, bauen und betreiben, die Systeme sowie Software dafür liefern oder dank diesen Infrastrukturen Dienstleistungen und Produkte entwickeln und anbieten.

Gleichzeitig, so die Erkenntnis aus dem Strategiereview – den die neue asut-Präsidentin Judith Bellaiche im vergangenen Jahr durchgeführt hatte – sind sich viele Entscheidungsträger, gerade in Politik und Verwaltung, zu wenig bewusst, welche Bedeutung die digitalen Infrastrukturen für die Schweiz haben. Und insbesondere wird oft unterschätzt, dass die Kommunikationsnetze und die Datacenter laufend modernisiert und weiter ausgebaut werden müssen. Im Gegensatz zu Eisenbahnlinien, Autobahnen oder Hochspannungsleitungen, welche für Jahrzehnte konzipiert sind, gelten in unserer Branche viel kürzere Innovationszyklen. Stillstand bedeutet daher Rückschritt und damit Verlust von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit.

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der asut im Rahmen des Strategiereviews eine klare Vision für unseren Verband formuliert, welche die zentrale Bedeutung der digitalen Infrastrukturen deutlich macht:


Vision der asut

«Unsere erstklassigen digitalen Infrastrukturen schaffen die Voraussetzungen für wirtschaftliche Prosperität und gesellschaftliche Weiterentwicklung der Schweiz. Sie führen die Schweiz in eine Vorreiterrolle in einer digitalen Welt.»
 

Für den Verband und die Geschäftsstelle bedeutet dies, dass wir uns noch konsequenter für optimale Rahmenbedingungen für erstklassige Kommunikations-, Netzwerk- und Dateninfrastrukturen einsetzen wollen. Dazu positioniert sich asut als zentraler Vermittler zwischen Technologie, Politik und Gesellschaft. Auf diese Weise fördern wir innovative Angebote und Anwendungen, von welchen unsere Mitglieder, sowohl Anbieter- als auch Anwender-Unternehmen, direkt profitieren. Und damit tragen wir gemeinsam zu einem erfolgreichen und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort Schweiz bei. Dies ist die Mission unseres Verbandes, die der Vorstand formuliert hat. Neue Themenfelder und ein verstärkter Einsatz der Geschäftsstelle erfordern jedoch zusätzliche Ressourcen, um die vom Vorstand gesteckten Ziele erreichen zu können. Ein entsprechender Ausbau der Geschäftsstelle ist für 2026 geplant.

 

Zur Umsetzung der neuen Strategie wurde ein Themenradar entwickelt, der transparent aufzeigt, in welchen Bereichen sich unser Verband engagieren möchte - von den zentralen Infrastrukturthemen, über Anwendungsfragen bis zu neuen Technologien.

Ausgewählte Schwerpunktthemen 2025 im Interesse unserer Mitglieder

Breitbandversorgung der Schweiz: Im vergangenen Jahr fand die lange erwartete Vernehmlassung zur Breitbandförderung statt. Bevölkerung und Wirtschaft sollen in der ganzen Schweiz von einer Gigabit-Versorgung profitieren können und der Bund schlägt dazu ein Förderinstrument vor, um einen Stadt-Land-Graben zu vermeiden. asut begrüsst die vorausschauende Gigabitstrategie des Bundes, solange der Breitbandausbau und die Förderinstrumente marktgetrieben zur Anwendung kommen. Also nur dann, wenn Markt und Wettbewerb nicht in der Lage sind, in den nächsten zehn Jahren die Gigabitversorgung sicherzustellen. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit sind dabei neben den Glasfasertechnologien auch drahtlose Breitbandtechnologien zu berücksichtigen. Ein wichtiges Thema war der weitere Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur in der Schweiz. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Bundesamtes für Umwelt kam zum Schluss, dass eine Vereinfachung und Beschleunigung des Netzausbaus ohne neue gesetzliche Grundlage kaum möglich sind. Der Bundesrat hat daher eine Teilrevision des Fernmeldegesetzes angestossen, welche genau dieses Ziel verfolgt: Einfachere und weniger komplexe Verfahren, welche einen rascheren und bedarfsgerechten Ausbau der Mobilfunkanlagen erlauben. asut begrüsst diese Vorlage, da damit eine deutliche Vereinfachung und Beschleunigung der Verfahren erreicht werden kann. Gleichzeitig trägt der Vorschlag den Anliegen der Bevölkerung, der Behörden sowie der Mobilfunknetzbetreiberinnen gleichermassen Rechnung. Unser Verband pflegte auch im vergangenen Jahr den Dialog mit der Politik. So fand ein Highlevel-Gespräch mit Bundesrat Albert Rösti sowie den Spitzen der Telekomunternehmen und -Verbänden statt. asut wurde zudem zu einer Anhörung in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen über die Ausweitung der ComCom-Kompetenzen auf Glasfaseranschlüsse eingeladen.

Datacenter, Hosting- und Cloud-Dienste: Der Stromverbrauch von Rechenzentren ist weiterhin ein Thema bei Verwaltung und Politik und in den Medien wird kontrovers darüber berichtet. asut setzt sich für eine Versachlichung der Debatte ein. Einerseits sind gerade grosse und moderne Rechenzentren in der Regel viel energieeffizienter als ältere oder kleinere Anlagen und tragen damit zu einem sorgsamen Umgang mit Energie bei. Andererseits spiegelt der Stromverbrauch die Digitalisierung der Bevölkerung und der Wirtschaft wider. Es sind letztlich die Apps, Speicher-Dienste oder Cloud-Services von Privatkunden und Unternehmen, welche den Stromverbrauch in den Rechenzentren verursachen. asut setzt sich darum im Rahmen der Swiss Datacenter Efficiency Association dafür ein, dass Rechenzentren möglichst stromsparend betrieben werden. Ein ganz anderes Thema betrifft diverse politische Vorstösse, welche neue Pflichten für Hosting- und Cloudanbieter fordern. Beispielsweise bei problematischen Inhalten oder im Bereich der Cybersecurity. Hier wehrt sich asut gegen neue Auflagen, welche in der Praxis unnötig sind und die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen schwächen. Dies konnten wir auch anlässlich einer Anhörung in der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerates darlegen.

Fernmeldeüberwachung: Der Bundesrat möchte im Rahmen einer Verordnungsrevision den Kreis der mitwirkungspflichtigen Unternehmen neu regeln. Insbesondere in Bezug auf sogenannte «abgeleitete Kommunikationsdienste» würde dies die Anzahl Unternehmen, welche nun erstmals Pflichten erfüllen müssten, deutlich erhöhen. Betroffen wären diverse cloudbasierte Services wie Messagingdienste, Email-Services, Speicherdienste etc. asut wehrt sich gegen die Einführung neuer Kategorien, für die aktuell keine Gesetzesgrundlage besteht. Kritisch beurteilen wir insbesondere, dass betroffene Unternehmen neu ihre Kunden identifizieren müssten. Dies wäre im internationalen Vergleich einmalig und würde Schweizer Diensteanbieter im Vergleich zur internationalen Konkurrenz deutlich schwächen. asut lehnt die Vorlage deshalb ab und setzt sich in den Gremien des Bundes für eine deutliche Verbesserung der Regelungen ein. Zusätzlich zur Fernmeldeüberwachung könnte zukünftig auch die EU e-Evidence-Richtlinie für Schweizer Unternehmen Auswirkungen haben. Diese Richtlinie soll es Strafverfolgungsbehörden ermöglichen, elektronische Beweise (z. B. E-Mails oder Cloud-Daten) direkt bei Diensteanbietern in anderen EU-Ländern anzufordern. Ähnlich wie im Datenschutz würde diese Richtlinie auch für Schweizer Unternehmen gelten, die in der EU Kunden bedienen. Dies könnte negative rechtliche Folgen für diese Unternehmen haben. asut nimmt daher an einer Arbeitsgruppe des Bundes teil, welche eine pragmatische Lösung sucht.

Präsenz in Politik und Verwaltung

Neben Anhörungen in den Kommissionen des Parlamentes, vertritt unser Verband die Interessen seiner Mitglieder auch in diversen Gremien und Begleitgruppen des Bundes und der Kantone. Die Themen reichen von der Fernmeldeüberwachung und e-Evidenz-Richtlinie über e-ID und Mobilfunk bis zu Cybersecurity und Wirtschaftlicher Landesversorgung. Auch im Parlament selbst haben wir unser Engagement intensiviert und die Präsidentin der asut ist regemässig während den Sessionen im Bundeshaus präsent, pflegt den Dialog und schafft Verständnis für die Anliegen unserer Branche und der digitalen Infrastrukturen. Aber nicht nur der direkte Austausch und das Fach Know-how wurden im vergangenen Jahr geschätzt, sondern auch ein Weihnachtspräsent der asut an die Mitglieder des Parlaments: Eine kleine Schachtel mit Ausstechformen für Kekse für alle jene, die lieber «analoge Cookies» geniessen wollen, fand grossen Anklang.

Mitglieder profitieren von Praxis Know-how und Erfahrungsaustausch

Die asut-Fachgremien bieten unseren Mitgliedern die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, Probleme zu lösen, Know-how aus anderen Bereichen und Branchen zu erhalten oder sich über aktuelle Entwicklungen ins Bild setzen zu lassen. Von Infrastruktur- und Anwendungsthemen über Herausforderungen bei Energie- und Mobilitätsfragen bis zu rechtlichen Aspekten und Jugendschutzthemen pflegen rund 350 Expertinnen und Experten, alles Delegierte unserer Mitglieder, in elf ständigen Fachgremien sowie weiteren ad-hoc Arbeitsgruppen den Erfahrungsaustausch oder arbeiten an Lösungen für gemeinsame Probleme. Das vielfältige Know-how und die Erfahrungen der Expertinnen und Experten ermöglichen der Geschäftsstelle, fundierte und faktenbasierte Positionen und Stellungnahmen zu diversen Fragestellungen zu erarbeiten. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Fachgremien finden sich in den folgenden Kapiteln des Jahresberichts. Die Mitarbeit in den Fachgremien steht grundsätzlich allen asut-Mitgliedern offen. Bei Interesse an der Mitarbeit melden Sie sich bitte bei der Geschäftsstelle.

Neue Impulse setzen und Netzwerk erweitern

Die verschiedenen Verbandsanlässe bieten unseren Mitgliedern den Zugang zu hochkarätigen Referentinnen und Referenten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Mitglieder profitieren dabei von exklusivem Know-how über neue Entwicklungen aus der ICT-Welt und vom branchenübergreifenden Networking. Höhepunkte im Verbandsjahr 2025 waren der Swiss Telecommunication Summit zum Thema «Erfolgsfaktor digitale Innovation», der von Google Fellow Urs Hölzle eröffnet wurde, sowie die IoT-Konferenz und die Mobilitätskonferenz. Insgesamt konnten wir 2025 über 1300 Gäste an unseren diversen Anlässen begrüssen, wobei wiederum ein breites Themenfeld abgedeckt wurde. Dazu gehörte beispielsweise ein «Prompt-Engineering-Workshop», an dem unsere Mitglieder eine praxisnahe Einführung in die Nutzung von AI-Chatbots erhielten (Microsoft). Weitere Anlässe boten Einblicke in den Stand der Forschung betreffend Mobilfunkimmissionen (Forschungsstiftung Mobilfunk und Strom, ETH Zürich) oder wie der Betrieb von Rechenzentren optimiert werden kann (NorthC). Die Zukunft der digitalen Arbeitswelt war Thema eines Member-Apéros bei HP Schweiz und um Sicherheit und Resilienz ging es bei Super Computing Systems in Zürich.

Weitere Aktivitäten

Seit 2017 betreibt asut auf Mandatsbasis die Geschäftsstelle von its-ch, der Plattform für intelligente Transportsysteme. 2025 war geprägt von einem vielseitigen Programm mit der Mobilitätskonferenz, Netzwerkanlässen, Innovationsworkshops, Plenarveranstaltungen und internationaler Präsenz am ITS European Congress. Hinter den Kulissen haben intensive Abstimmungen, Mitgliederdialoge, Know-how-Transfer sowie Kommunikationsarbeit stattgefunden. All dies wurde mit weniger als einer Vollzeitstelle realisiert – getragen durch das Engagement zahlreicher Expertinnen und Experten aus dem Mitgliederkreis. Strategisch wurde 2025 die Ausrichtung von its-ch geschärft und vier Handlungsfelder definiert: Mehrwert für Mitglieder, Kommunikation, Kompetenzzentrum Mobilität inkl. KI sowie Ausbau und Verjüngung der Mitgliederbasis.

Die Interessen unserer Mitglieder vertreten wir auch bei Wirtschaftsverbänden wie Economiesuisse oder Digitalswitzerland sowie bei weiteren ICT-Verbänden wie Swico, Swiss Data Alliance oder SwissICT. Diese Koordination erhöht die Schlagkraft der ICT-Branche und gleichzeitig können wir so Doppelspurigkeiten vermeiden. Zusätzlich unterstützt asut mehrere Initiativen und Projekte, von welchen unsere Mitglieder profitieren können. Beispielsweise die Plattform NextIndustries, welche die Digitalisierung der Schweizer MEM-Branche fördert. Oder die Swiss Datacenter Efficiency Alliance, welche ein Label für energieeffiziente Rechenzentren anbietet und damit einen wichtigen Beitrag zur Debatte um den Stromverbrauch von Datacenter leistet. Zudem gehört asut zu den Gründern des neuen «Vereins zur Umsetzung der Film-Jugendschutzregelung unter dem JSFVG», in dem wir jene Mitglieder vertreten, welche Filmstreaming in der Schweiz anbieten und zukünftig Jugendschutzmassnahmen umsetzen müssen.

Insgesamt blicken wir auf ein erfolgreiches Verbandsjahr zurück, das nur dank engagierter und loyaler Mitglieder, der Unterstützung durch viele Partner sowie dem unermüdlichen Einsatz der Expertinnen und Experten in unseren Fachgremien möglich war. Wir danken unseren Mitgliedern für die offenen und konstruktiven Diskussionen sowie die Mitwirkung in den Fachgremien oder im direkten Austausch. Dies Alles zum Wohle der digitalen Infrastrukturen.