Digital Health – die Revolution schreitet voran!

Aus jeder Krise entstehen Neuerungen oder neue Modelle, die in einigen Fällen Bestand haben und in der Folge mitunter zur Norm werden. Die aktuelle Gesundheitskrise wirft nicht nur ein Schlaglicht auf neue ökonomische Konzepte, sondern auch auf innovative Praktiken, die – ipso facto – entwickelt und getestet werden konnten. Selbstverständlich blieb auch das Gesundheitswesen hiervon nicht unberührt. Aufgrund des Lockdowns hat die Telemedizin rasant an Fahrt gewonnen. Sie konnte ihre unbestreitbaren Vorteile unter Beweis stellen und schnell auf die Anforderungen der Gesundheitsversorgung reagieren.

Ebenso wie die Telemedizin bietet auch die Digitalisierung wichtige Vorteile für das Gesundheitswesen und die Medizin. Dank innovativer Technologien wie der künstlichen Intelligenz, der erweiterten oder virtuellen Realität, Big Data, Blockchain oder Robotik konnte sich der Gesundheitssektor neu erfinden. Die Digitalisierung ermöglicht es, die Entfernung zwischen Arzt und Patient zu überbrücken. In der Arzt-Patienten-Beziehung ist Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Heute tragen mobile Apps oder soziale Netzwerke für Patienten zur Verbesserung dieser Beziehung bei. Mit den erforderlichen Monitoring- und Kontrollaktivitäten können medizinische Informationen schnell ausgetauscht, Fragen ungezwungen gestellt und Massnahmen rechtzeitig eingeleitet werden.

Darüber hinaus unterstützen digitale Technologien die Arbeit des Arztes in konkreter Weise. Es geht nicht darum, den Arzt zu ersetzen, sondern ihm bei seiner Aufgabe eine echte Hilfe zu bieten. In diesem Fall spricht man von Augmented Medicine. Im Behandlungsverlauf und im Umgang mit der Krankheit muss der Patient auch künftig diagnostiziert, behandelt und betreut werden. Die Technologie ermöglicht es, diese Tätigkeiten zu optimieren, eine auf zahlreichen, weltweit bewährten Praktiken basierende Zweitmeinung zu erhalten, die Therapie des Patienten eng zu begleiten oder seine Versorgung zwischen allen Beteiligten zu koordinieren. Neben der Behandlung von Krankheiten umfasst das Gesundheitswesen auch die Vorsorge und das Wohlbefinden. Hier bietet die Digitalisierung ebenfalls praktische Lösungen an, um Menschen zu motivieren und anzuregen, sich beispielsweise ausgewogener zu ernähren, besser zu schlafen oder sich ganz einfach mehr zu bewegen.

Die Digitalisierung kann also offensichtlich viel zur Gesundheit jedes Einzelnen beitragen. Sie ist in der Lage, uns auf allen Stufen unseres Gesundheitspfads und in allen Phasen unseres Krankheitsverlaufs zu unterstützen. Zu diesem Zweck müssen wir jedoch unsere Daten öffnen, um das System transparenter zu gestalten. Dies kann nur mithilfe eines Modells geschehen, das auf dem gegenseitigen Vertrauen der Beteiligten beruht. Es liegt an uns, den Mehrwert zu erkennen und die notwendigen Schutzmechanismen einzurichten, um von einer individualisierten, personalisierten und bald auch präventiven Medizin profitieren zu können.

Swiss Digital Health hat sich zum Ziel gesetzt, die Vorteile der Digitalisierung im Gesundheitswesen aufzuzeigen und Innovationen in diesem Bereich zu fördern. Wir sind davon überzeugt, dass das Gesundheitswesen sich diese neuen Technologien zu eigen machen und sie ausgestalten muss, um sie für die Patienten und den Gesundheitssektor im Allgemeinen optimal zu nutzen. Die digitale Revolution ist in vollem Gange. Das Gesundheitswesen muss sich daran beteiligen, indem es unter Einbeziehung seiner humanistischen Werte zukunftsorientierte Lösungen entwickelt.

 

Sébastien Mabillard

Sébastien Mabillard ist CEO von Swiss Digital Health, einer Schweizer Initiative mit dem Ziel, ehrgeizige und innovative Projekte anzuregen und zu initiieren, die das Gesundheitssystem verbessern und die Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz erleichtern.