asut-Bulletin
5G – das Turbonetz
Ausgabe
02/2018
Für alle vertikalen Branchen hochrelevant

Huawei Technologies entwickelt neue Technologien nicht nur in China. Im Forschungszentrum von Huawei Technologies in München wird in einer Testumgebung an 5G-Anwendungen getüftelt. Woran genau erklärt Walter Weigel, Leiter des Forschungszentrums, im Kurzinterview.

asut: Was ist im Moment für Sie der wichtigste Forschungsgegenstand an 5G?

Walter Weigel: Es wird vielleicht nicht überraschen, dass wir derzeit in München vor allem an den Automotive-Anwendungen der 5G-Technologie arbeiten. Aber nicht nur wir allein. Die Entwicklung neuer Technologien bedingt heutzutage, dass die Expertise vieler Beteiligter in ein ganzes Innovations-Ökosystem einfliesst. Wir haben daher mit Audi, BMW, Daimler, Ericsson, Intel, Nokia und Qualcomm den Verein «5G Automotive Association» gegründet, mit dem wir für offene Entwicklungsplattformen, gemeinsame Feldtests und Anforderungen an Standards sowie den Wissensaustausch sorgen wollen.

Für welche Branchen ist 5G ausserdem besonders relevant?

Quasi für alle vertikalen, also z. B. Maschinenbau, Einzelhandel, Versorgungsunternehmen, Healthcare, Transportwesen oder Telekommunikation. Die schnellen Übertragungsraten, die geringe Latenzzeit und die hohe Verfügbarkeit können unter anderem der Telemedizin endgültig zum Durchbruch verhelfen, wenn beispielsweise verlässliche Ferndiagnosen gestellt oder Krankheiten besser überwacht werden können. Oder denken wir an die Industrie: Mit Augmented Reality in Echtzeit können Wartungs- und Servicearbeiten viel schneller und kostengünstiger auch in den entlegendsten Ecken der Welt, z. B. auf Bohrtürmen, durchgeführt werden. Die Unterhaltungsindustrie kann für Sportübertragungen oder Filme völlig neue Streamingdienste anbieten. Städteplanung wird durch «Smart-City»-Ansätze unser gemeinschaftliches Leben verändern und das «Smart Home» unseren Alltag zu Hause.

Wo liegen die grössten technischen Hürden?

Wir forschen in München unter anderem an den Antennen der fünften Generation. Wir testen, wie sich Funkenergie einsparen lässt – für die Schweiz sicherlich ein sehr interessantes Feld. Weitere Forschungsansätze zum Energiesparen sehen wir im Bereich der Batterietechnologie und bei der Software, indem bessere Algorithmen den Energieverbrauch der Chips reduzieren. Daneben geht es um die Harmonisierung von Kommunikationsnetzwerken und um Standardisierung, damit branchenspezifische Netze in übergeordnete Netzwerke integriert und einfacher konfiguriert werden können.

Walter Weigel

Dr. Walter Weigel ist Leiter des Europäischen Forschungszentrums von Huawei Technologies in München.

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