asut-Bulletin
Resilienz
Ausgabe
03/2023
Es ist ein stetiger Anpassungs- und Wandlungsprozess

Von Pierre Alain Schnegg, Regierungsrat Kanton Bern

Seit Corona zunehmend digital unterwegs – der Berner Bär (Bild: Dall-E)


Während der Pandemie hat sich die Digitalisierung als unverzichtbares Instrument bewiesen, um auf die Krisen und Herausforderungen der Zukunft resilient zu reagiern. Auch im Kanton Bern.

Von Pierre Alain Schnegg

Vor 40 Jahren begann in der Schweiz die moderne Kommunikationsgesellschaft. Die damaligen PTT-Betriebe lancierten das Angebot eines «verpixelten Kleinbildschirms mit Tastatur» für den Haushalt, Produktnamen Videotex. Bald darauf wurde die Übermittlung von Text und Grafik durch HTML revolutioniert: 1989 machte Tim Berners-Lee am CERN in Genf den Vorschlag eines vernetzten Informationsmanagements und nannte seine Idee «World Wide Web». Zur selben Zeit starteten in der Schweiz zwölf «Kommunikations-Modellgemeinden» in das Grossprojekt zur Erforschung der Kommunikationsbedürfnisse der Zukunft. Während fünf Jahren wurden erste konkrete Projekte verwirklicht und bereits 1990 wurden Online-Gemeindeabstimmungen durchgeführt. 

Zu Beginn der Digitalisierung war die Schweiz eines der weltweit führenden Länder mit sehr hohem Innovationspotential. Das ganze Land beteiligte sich an den Entwicklungen der digitalen Kommunikation. Doch dann folgte, aufgrund von Gesetzgebungsprozessen und dem Föderalismus, eine längere Pause. Die demokratische Mitsprache bremste die Dynamik der Anfangsjahre, die Schweiz wurde eingeholt und überholt. Aber der Brain-Tank Schweiz funktionierte weiter; Forschung und Entwicklung konzentrierten sich auf den weniger stark regulierten B-2-B-Sektor.  

Die Schweiz hat an Dynamik zugelegt

Während der Pandemie hat die Schweiz nun aber wieder bewiesen, dass sie mit der internationalen Dynamik der Digitalisierung Schritt halten kann. Staat, Kantone, Gemeinden und die Bevölkerung standen zusammen und handelten pragmatisch. Es wurden Dinge möglich, welche im Normalfall Jahre benötigt hätten – ein Beispiel: Die in Rekordzeit entwickelte Impfsoftware «VacMe». Auch die Wirtschaft und Verwaltung haben sofort Möglichkeiten für das Arbeiten im Home Office geschaffen und der Bund hat in kürzester Zeit Applikationen für die Test- und Impfzertifikate bereitgestellt. Ohne die Digitalisierung wäre dies alles nicht in diesem Tempo und dieser Qualität möglich gewesen. In dieser Zeit haben wir auch gezeigt, dass wir fähig sind, auf die Herausforderungen der Zukunft resilient zu reagieren. Resilienz: Ursprünglich in Medizin und Psychologie verwendet, findet der Begriff nun auch Anwendung in der Wirtschaft und für ganze Länder. Heute steht er für Anpassungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und zielorientierten Pragmatismus als Überlebensmuster.

Transformation im Gleichschritt mit der Bevölkerung

Im Zentrum jedes Wandels und jeder Transformation steht der Mensch. Die digitale Transformation ist kein Selbstzweck, sondern muss auf Nutzen und Sinnhaftigkeit ausgerichtet sein. Neben der Technik ist es wichtig, eine klare und überzeugende Kommunikation aufzubauen und sich auf eine sorgfältige Führung und die damit verbundenen Change-Prozesse zu konzentrieren. Seit 40 Jahren dauert dieser Transformationsprozess bereits an. Estland wird gerne als Beispiel genannt, wie ein digitales Staatswesen funktionieren könnte. Auch der Kanton Bern ruht nicht und hat seine ICT-Strategie 2021-2025 in weiten Teilen geschärft. Die Vision hinter der Strategie erklärt die digitale Verwaltung als selbstverständlich. Es wird angestrebt, transparente, wirtschaftliche und medienbruchfreie elektronische Behördendienstleistungen für Wirtschaft, Bevölkerung und Verwaltung anzubieten. In der Vorbereitungsphase wurden 300 Digitalisierungsprojekte kategorisiert. Aktuell liegt der Fokus auf 30 Schwerpunktprojekten für maximalen Nutzen. Ziel ist eine effizientere Verwaltung und zeit- sowie kostensparende Dienstleistungen. «Digital first» ist der Grundsatz. Nicht-digitale Kanäle bleiben nur bestehen, wenn der digitale Kanal für Endnutzerinnen und -nutzer unzumutbar ist. 

Digital first für den Medizinalstandort Bern

«Digital first» hat nicht nur während der Corona-Pandemie seine Notwendigkeit aufgezeigt, sondern wird auch künftig eine wichtige Rolle in der medizinischen Grundversorgung spielen. Tausende von Applikationen und Online-Angebote bieten der Bevölkerung bereits heute einen Mehrwert. Ein Beispiel: Die Angebote der Telemedizin, von der Online-Beratung über die Ferndiagnose bis hin zu Remote Surgery. 

Der Kanton Bern konzentriert sich auf die Entwicklung von Wirtschafts- und Technologieprojekten mit nationaler und internationaler Ausstrahlung und hoher Wertschöpfung. Durch die Förderung von Forschungs- und Entwicklungszentren sowie die Entwicklung von medizinischen Standorten wie dem Insel-Campus und dem Kompetenzzentrum für translationale Medizin sitem-insel ist der Kanton Bern zu einem führenden medizinischen Standort in der Schweiz geworden. Der Kanton ist ein attraktiver Innovations- und Investitionsstandort, der die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung, Hochschulentwicklung und der Wirtschaft fördert. Weitere wichtige Projekte sind der Switzerland Innovation Park Biel/Bienne zur Vernetzung von Forschung und Industrie, das Swiss Center for Design and Health für angewandte Gesundheitsforschung und das Réseau de l'Arc im Berner Jura als Public Private Partnership im Gesundheitsbereich. 

Die digitale Transformation durchdringt alle Lebensbereiche. Ich beschränke mich in diesem Beitrag auf einige Beispiele aus dem Gesundheitswesen. Dabei dürfen die Entwicklungen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz nicht ausgelassen werden. Seit Jahren wird Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen erfolgreich angewendet und die ständigen Weiterentwicklungen von bildgebender Diagnostik, von Operationsrobotern und hochpräzisen Mess- und Analysemöglichkeiten versprechen uns das Leben zu erleichtern. 

Technik und Digitalisierung werden den Menschen in Zukunft unterstützen. Aber trotz allem soll stets der Mensch im Zentrum stehen. 

Pierre Alain Schnegg

Der Regierungsrat Pierre Alain Schnegg ist Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor des Kantons Bern.

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